Auf Soros Pfaden

Im Augenblick sind wir Zeugen eines gigantischen sozialtechnischen Experiments: der Geburt der Europäischen Union. Es lohnt sich, dieses Vorhaben etwas genauer zu untersuchen. Der Einigungsprozeß Europas ist jetzt genau an dem Punkt angelangt, an dem sich die gegenwärtig wichtigste Frage stellt: Wie läßt sich das Hindernis nationalstaatlicher Souveränität überwinden, das der Verfolgung von gemeinsamen Interessen im Weg steht? Das Problem wird nicht direkt angesprochen, sonst wäre der europäische Prozeß nie so weit gekommen. Er begann mit der Gemeinschaft für Kohle und Stahl und ist inzwischen bis zur gemeinsamen Währung gediehen. Jeder Schritt nach vorn zog unweigerlich Fehler nach sich, die durch weitere Schritte korrigiert werden mußten. Der gesamte Prozeß ist mit Unsicherheiten belastet, und niemand weiß genau, wohin er führen wird. Bei einzelnen Veränderungen regt sich daher häufig Widerstand. Die gemeinsame Währung beispielsweise taugt nichts ohne eine gemeinsame Finanzpolitik. Ob sich jedoch für eine gemeinsame Finanzpolitik genügend Rückhalt finden wird, bleibt abzuwarten.

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